Zukunft denken – Universitäre Herausforderungen

Zukunft denken – Universitäre Herausforderungen

Vier Rektor_innen im Gespräch mit dem ÖIAV

Silke Cubert

Den aktuell vorherrschenden Sicherheits- und Hygienevorschriften Positives abzugewinnen ist für die Rektor_innen der TU Wien, TU Graz, WU Wien und der Akademie der Bildenden Künste eine Selbstverständlichkeit.

Daraus können Lehren gezogen werden und ein deutlicher Schub in der Implementierung von Distance Learning ist nahezu weltweit spürbar geworden. Es heißt umzudenken und Veränderung zu erlauben. Die digitale Lehre soll eine zusätzliche Komponente in der Wissensvermittlung werden, dennoch sollen die Universitäten dieselben bleiben.

Die hochrangig besetzte Podiumsdiskussion mit Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger, Rektor Johan Frederik Hartle, Rektor Harald Kainz und Rektorin Sabine Seidler musste covidbedingt zwei Mal verschoben werden. Nächster Termin: Mai 2021 – die Herausforderungen der nächsten Monate werden weitere spannende Gesichtspunkte beleuchten. Wir freuen uns auf einen interessanten Diskurs im OIAV.

(c) Klaus Vyhnalek

“Wir sehen, dass akademisches Leben bedeutet, zu debattieren, sich zu treffen, Ideen auszutauschen. Das Studierendenleben findet nur schwer online statt. Die Digitalisierung an sich ist nicht das Ziel, sondern die Neugestaltung von Kursen und Programmen, um von neuen Funktionen zu profitieren. Umfragen von Quacquarelli Symonds zeigen, dass Studierende vor Ort sein möchten. Eine zu starke Umstellung auf Distance Learning birgt die Gefahr High-Potentials zu verlieren.”

Edeltraud Hanappi-Egger, Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien

“Die besondere Herausforderung durch Covid-19 hat an der Akademie der bildenden Künste Wien neue Impulse gesetzt. Die Situation eingeschränkter Anwesenheit in den Ateliers, Studios und Werkstätten ist allerdings nur als Übergang denkbar. Die Verschiebung ins Digitale wird das Profil der Akademie nuancieren – so haben Projekte zur digitalen Kunstvermittlung, zur Reflexion von Überwachungstechnologien in virtuellen Architekturen aber beispielsweise auch zur künstlerischen Intelligenz (im kuratorischen und künstlerischen Bereich) eine neue Plausibilität gewonnen. Dennoch wird die Akademie dieselbe bleiben.”

Johan Frederik Hartle, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien

(c) Viktor Brázdil
(c) Helmut Lunghammer

“Die Zukunft der Universitäten ist wie die gesamte Gesellschaft geprägt von den derzeitigen Ereignissen. Wir alle sind gefordert umzudenken, neu zu denken – mehr denn je ist nun der Mut zur Veränderung gefragt. Wir haben bereits vor drei Jahren mit vielen Projekten zur digitalen Universität begonnen und waren dadurch im März gut vorbereitet. Wir sehen die aktuellen Herausforderungen als Chance, die digitale Lehre als zusätzliches Instrument der Lehre schneller als gedacht auszubauen – unser Ziel ist eine Bereicherung und Erweiterung der Präsenzlehre durch Onlinelehre. Die TU Graz 2030 wird eine Universität mit weitgehend effizienten, digitalen Prozessen sein, die Forschung und Lehre breit unterstützen.”

Harald Kainz, Rektor der Technischen Universität Graz

„Wissenschaftliche Lehre definiert sich immer über verschiedene Vermittlungsmethoden. Mal wird im Privatissimum oder der Vorlesung gelehrt, mal im Labor mit Kleingruppen. Dass die Präsenzlehre nun durch Hygienemaßnahmen eingeschränkt ist, stellt die Universitäten zwar auf eine organisatorische Probe, schärft aber gleichzeitig die Sinne und lässt Distance Teaching and Learning Teil der Routine werden. Distanz, Präsenz, Hybrid – diese Formate prägen den Studien- und Lehrbetrieb, lassen uns aber auch wachsen und das ist der positive Aspekt.“

Sabine Seidler, Rektorin der Technischen Universität Wien

(c) Raimund Appel