Projekt Beschreibung

Menschen und ihre Leistungen- Impulse für unsere Zukunft:

Im Gespräch mit Kerstin Krellenberg zu den Themen „Klimaschutz, Energie, Katastrophenvorsorge“

Kerstin Krellenberg
Kerstin KrellenbergArbeitsgruppenleiterin Urban Studies der Universität Wien

@ Universität Wien | Daniel Dutkowski

Hochinteressant, das Thema einmal aus einem ganz anderen, breiteren Blickwinkel zu beleuchten. Kerstin Krellenberg ist Geografin im Bereich der Stadtforschung, mit einem Fokus auf urbane Nachhaltigkeitstransformationen, urbane Vulnerabilität und urbane Anpassung an den Klimawandel. Studierte  Umweltwissenschafterin, promoviert an der Humboldt-Universität zu Berlin und habilitiert an der Universität Leipzig ist sie nun Universitätsprofessorin für Urban Studies an der Universität Wien.

Ihr Ziel ist es, durch eine inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit integrative Lösungsansätze zu entwickeln, die zum Beispiel die Interaktion der UN Sustainability Development Goals (SDGs) oder die sozio-ökologisch-technischen Wechselwirkungen in den Städten adressieren.

Damit sind wir mitten im Thema: bei den Ursachen für die Auswirkungen des Klimawandels in den Städten, bei den Konsequenzen zunehmender Starkregenereignisse, Überschwemmungen sowie Hitzeereignissen und Trockenperioden…

  • Was können wir konkret zum Klimaschutz beitragen, wie können wir weniger CO2 emittieren?
  • Wie können wir besser mit dem Klimawandel umgehen, den wir jetzt schon zu spüren bekommen?
  • Welche Zusammenhänge und Lösungsansätze erkennen wir aus der Forschung über den globalen Umweltwandel, den digitalen Wandel und die Auswirkungen auf Herausforderungen und Chancen für die Gesellschaft?
  • Wie können wir Theorie und Praxis für nachhaltige Transformationen von Städten besser miteinander verbinden?

Wir müssen proaktiv werden und uns besser vorbereiten.

Neu denken müssen wir, Transformationsprozesse gestalten und zulassen.

Neue Anreizsysteme brauchen wir, um positive Entwicklungen zu steuern.

Der Natur müssen wir wieder mehr Raum geben.

Wir sollten weg von sektoralen und hin zu integrierten Ansätzen.

Beispiel für Fassadenbegrünung

©Krellenberg

Fassadenbegrünung1

©Krellenberg

Naturbasierte Lösungsansätze sind sinnvoll mit technischen und digitalen zu verbinden, und dabei muss die Bevölkerung mitgenommen werden. Jede Stadt muss für sich Lösungen entwickeln, die sinnvoll, umsetzbar und von der Gesellschaft mitgetragen werden. Viele Städte verfolgen bereits gute Ansätze wie zum Beispiel zur Verkehrsberuhigung, im Bereich Radverkehr und IV-ÖV-Vernetzung, Sharing-Angebote neuer Art und Qualität, grüne Dächer und Fassaden in Neubau und Bestand, zum Teil mit gekoppelten Funktionen wie Kühlung und Wasserspeicherung am Gründach, aber auch versickerungsfähige Verkehrsflächen und Pflaster sowie eine allgemeine Erhöhung von Frei- bzw. insbesondere Grünflächen entsprechend der Idee der „Schwammstadt“, auch Bodenentsiegelung findet statt, neue Ideen multifunktionaler Flächennutzung werden entwickelt, und optimierte Energiesysteme sowie verstärkte Kreislaufwirtschaft finden Umsetzung.

Für das erforderliche Umdenken muss vor allem auch der sozialen Dimension die notwendige Bedeutung beigemessen werden. Gerade hat uns Corona vor Augen geführt, was in Städten oft fehlt zur Lebensqualität im Alltag, aber auch wie schnell kreative Ideen umgesetzt werden können. Das Umdenken und „anders Handeln“ muss attraktiv sein, soll möglichst nicht über Zwang kommen.

Das Umdenken muss in den Köpfen stattfinden und im Alltag Anwendung finden.

Jede Stadt braucht individuelle Lösungen und diese sollten gemeinsam mit allen urbanen Akteur_innen, vor allem mit der Stadtbevölkerung entwickelt werden, damit sie tatsächlich angenommen werden.

Vieles muss man viel früher und vor allem zusammen (integrativ) mitdenken, damit es gelingt.

Wie kann man klimasicheres Bauen proaktiv betreiben, oder sicherstellen, dass man im Umkreis von 15 Gehminuten alles erledigen kann, was man im Alltag braucht?  Bei neuen Stadtquartieren sollten Freiflächen erhalten bzw. attraktive Grünflächen im direkten Wohnumkreis sowie grüne Dächer und Fassaden bei der Planung einbezogen werden, aber auch soziale Durchmischung, eine nachhaltige Verkehrsanbindung und insgesamt eine ressourceneffiziente Entwicklung sollten angestrebt werden.

Der Alltag ist entscheidend. Er bestimmt die Lebensqualität.

Der Raum bzw. die Fläche muss allen als knappes Gut bewusst werden.

Innovative Lösungen für Mehrfachnutzen sind gefragt.

Interessensabwägung muss gelebt werden. Dazu braucht es bewährte und neue Prozesse. Transparenz bestimmt das Verständnis der Menschen. Nur transparent und zusammenhängend verstanden tragen sie es wirklich mit. Bei allem Zeitdruck des Klimawandels müssen wir uns die Zeit für Gespräche nehmen, aber vor allem handeln. Wir müssen bereit sein, immer wieder zu justieren, wenn Neues kommt oder wir Neues erkennen.