Die TU Graz engagiert sich für die Zukunftsthemen Nachhaltigkeit
und Klimaschutz:

Von der Treibhausgasbilanz zur Klimaneutralität einer Universität – Roadmap 2030

Alexander Passer, Günter Getzinger & Harald Kainz (TU Graz)

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Mit dem österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel (Austrian Assessment Report, APCC 2014) konnten erstmals die wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel in Österreich zusammengetragen und darauf aufbauend eine breite Öffentlichkeitswirkung erzielt werden. Der AAR14 folgert, dass die Temperatur im Zeitraum von 1880 bis heute im globalen Mittel um fast 1°C, in Österreich jedoch bereits um nahezu 2°C gestiegen ist. Die anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen (THG) sowie andere menschliche Aktivitäten gelten überwiegend als Verursacher dieser Veränderung. Unbestritten ist, dass die Folgen einer ungebremsten anthropogenen Klimaveränderung, wenn auch regional sehr unterschiedlich, gravierend für die Menschheit wären und ohne umfangreiche zusätzliche Maßnahmen zur Vermeidung von THG-Emissionen ein Temperaturanstieg von 3–5°C bis zum Jahr 2100 im globalen Mittel, im Vergleich mit dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, zu erwarten sein wird. In Österreich könnte, gemäß dem derzeitigen Trend, dieser Temperaturanstieg höher ausfallen als im globalen Mittel (vgl. AAR14, IPCC 2013 und 2018).

Zur Einschränkung gefährlicher Auswirkungen des Klimawandels wurde im Dezember 2015 auf der UN Klimakonferenz in Paris beschlossen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C, möglichst 1,5°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Gemäß dem aktuellen IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C erfordert dies „Netto null CO2-Emissionen“ bis Mitte dieses Jahrhunderts, d.h. eine drastische, rasche Reduktion der CO2-Emissionen und damit verbundene hohe Anstrengungen zur Dekarbonisierung in allen Bereichen.

Gemäß AAR14 könnte dies durch die Umstellung der Energieversorgung und der Industrieprozesse, sowie durch die Unterlassung der Entwaldung sowie der Landnutzung und durch veränderte Lebensstile gelingen (vgl. AAR14).

Auch die Europäische Union hat jüngst ihre Anstrengungen verschärft und will bis 2050 klimaneutral werden. Um dies zu erreichen, sind bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen um mindestens 50% bis 55% gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren. Im aktuellen Regierungsprogramm ist darüber hinaus das Ziel eines klimaneutralen Österreichs bis spätestens 2040 festgeschrieben. In Anbetracht der globalen Klimakrise und des drohenden disruptiven Zerfalls der auf fossilen Energieträgern aufbauenden Wirtschaftssysteme ist sich auch die TU Graz ihrer Rolle als vordenkende innovative Zukunftswerkstätte der Gesellschaft bewusst und will mit ihrer vielfältigen wissenschaftlichen Expertise einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten (vgl. Entwicklungsplan 2020plus (1)). Als nachhaltige Universität ist die TU Graz Vorbild, Motor und Multiplikator für die Gestaltung zukunftsfähiger Lösungen zur nachhaltigen Entwicklung und bekennt sich zur Umsetzung der UN Agenda 2030 (Sustainable Development Goals, SDGs) und erarbeitet Optionen gemeinsam mit anderen österreichischen Universitäten im Projekt UniNEtZ( 2). Als Mitglied der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich (3), dem Climate Change Center Austria( 4) (CCCA) und im Einklang mit dem uniko-Manifest für Nachhaltigkeit (5) ist es der TU Graz ein zentrales Anliegen, Nachhaltigkeit und Klimaschutz in all ihren Handlungsfeldern als leitendes Prinzip und als Entscheidungskriterium zu verankern und aktiv einen Beitrag zu leisten. Durch die Implementierung und Realisierung der Nachhaltigkeit als Leitprinzip strebt die TU Graz auch im eigenen Bereich eine umfassende und tiefgreifende Transformation an. Die TU Graz kommt ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach, als Vorbild, Vorreiter und Katalysator für eine sozialökologische Transformation in Richtung einer nachhaltigen, d.h. zukunftsfähigen und lebenswerten Gesellschaft zu wirken.

maßnahmen zur CO2 Reduktion bis 2030

Maßnahmen zur CO2 Reduktion bis 2023

Der an der TU Graz eingerichtete Nachhaltigkeitsbeirat (6) berät das Rektorat in wichtigen und grundsätzlichen Fragen zu Nachhaltigkeitsthemen und ist die zentrale Anlaufstelle für Nachhaltigkeitsagenden. Als Grundlage für entsprechendes Handeln verpflichtet sich die TU Graz, ihre Nachhaltigkeitsstrategie zu überarbeiten, an den 17 SDGs der Agenda 2030 auszurichten, alle universitären Handlungsfelder zu umfassen und bei allen langfristig wirksamen Entscheidungen den Nachhaltigkeitsbeirat hinzuzuziehen. Der Nachhaltigkeitsbeirat koordiniert und überprüft die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie, indem er Messgrößen und Prioritäten weiterentwickelt und im Nachhaltigkeitsbericht regelmäßig darüber berichtet. Im Sinne des uniko-Manifests für Nachhaltigkeit müssen gerade Universitäten auch einen aktiven Beitrag zur verantwortungsvollen Ressourcennutzung leisten und die Entwicklung und den Betrieb ihres Campus (z.B. in den Bereichen Energie- und Ressourcenbedarf, Investitionen und Bauen, Beschaffung, Abfall, Mobilität) nach den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit gestalten. Die TU Graz hat 2016 als erste Universität in Österreich freiwillig ein zertifiziertes Energiemanagementsystem (EnMS) gemäß den Anforderungen der EN ISO 50001 eingeführt. Gemeinsam mit diesem und der eigens erstellten Treibhausgasbilanz 2017 (Passer und Maier 2020) wurde damit ein strukturierter Rahmen zur Formulierung und Umsetzung einer Roadmap 2030 zur Dekarbonisierung der TU Graz geschaffen. Basierend auf den durch den TU Graz Nachhaltigkeitsbeirat erarbeiteten Empfehlungen werden dabei zahlreiche Maßnahmen definiert und in enger Zusammenarbeit von Forschung, Lehre und Verwaltung auf den Weg gebracht. Dabei wird auch auf die Einbindung von externen Stakeholdern wie den Energieversorgern und der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) besonderer Wert gelegt. In weiterer Folge sind die Ergebnisse der Treibhausgasbilanz 2017 und die Roadmap „Klimaneutrale TU Graz 2030“ beschrieben.