Prävention von Katastrophenszenarien Untertage

Forschung und Entwicklung sowie Ausbildung und Training am Zentrum am Berg (ZaB)

Robert Galler, Manuel Kühbacher, Nina Gegenhuber, Bernhard Reinwald (Montanuniversität Leoben), Peter Hofer (Theresianische Militärakademie)

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Real-Übungsszenario
Real-Übungsszenarien Untertage © Montanuniversität Leoben

Österreich verfügt über eine große Anzahl an untertägigen Infrastrukturanlagen wie Straßen- oder Eisenbahntunnel, U-Bahn-Röhren und Stationsbauwerke, Energieversorgungsanlagen, Bergbahnen und ähnliche. Wenngleich diese nach aktuell modernstem Sicherheitsstandard ausgebaut sind, können Unfälle nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Zusätzliche komplexe Szenarien wie Terroranschläge dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Das „Zentrum am Berg – ZaB“ dient als Forschungs- und Entwicklungs-, sowie Ausbildungs- und Trainingszentrum.

Die voll ausgestatteten Straßen-, Eisenbahn- und Versuchstunnel erlauben unterschiedlichste Trainingsmöglichkeiten und Versuchsdurchführungen für Einsatzkräfte, sowie für Betriebs- und Instandhaltungspersonal.

Da eine in Betrieb befindliche Untertageanlage durch einen Betreiber für Trainings- und Forschungszwecke nicht langfristig zur Verfügung gestellt werden kann, werden komplexe untertägige Einsatzszenarien durch die Ausdehnung des ZaB sehr begünstigt. Aus dem umfangreichen Portfolio durchgeführter Projekte im Rahmen des Katastrophenschutzes – durch den Lehrstuhl Subsurface Engineering in Verbindung mit dem ZaB – können exemplarisch einige besonders hervorgehoben werden.

Ziel des Projekts TUSI – Erhöhung der Sicherheit Untertage durch innovative Technologien und Prozesse in Planung, Ausführung und Betrieb war es, die Innovationskompetenz in technologisch versierten Unternehmen zu stärken. Durch den Aufbau einer Gruppe von Spezialist_innen wurden die Kompetenzen der vorhandenen Einsatzorganisationen für Ereignisse in Untertage-Infrastrukturbauwerken optimiert. Diese Bauwerke stellen aufgrund ihrer außergewöhnlichen Randbedingungen sowohl während der Bau-, als auch während der Betriebsphase, zweifelsohne ganz besondere Herausforderungen an die Einsatzkräfte unterschiedlicher Organisationen dar.

Ironore 2019
Ironore 2019 ©Montanuniversität Leoben

Einen weiteren wesentlichen Beitrag zum Katastrophenschutz liefert das Projekt ETU-ZaB – Entwicklung von Ausbildungs- und Trainingsstandards für Einsätze in Tunnel- und Untertage-Infrastrukturen. Das Konsortium vereint die wichtigsten Organisationen und Infrastrukturbetreiber, die bei Ereignissen in Untertage-Infrastrukturen involviert sind, um vorhandene Notfallkompetenzen zu Themen der Prävention, der Folgenbewältigung und der sicherheitstechnischen Optimierung von derartigen Infrastrukturen zu bündeln.

Die Forschungsgruppe NIKE – Nachhaltige Interdisziplinarität bei Komplexen Einsätzen untertage, die von der Theresianischen Militärakademie geleitet wird, beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Fragen der Einsatzführung bei komplexen untertägigen Einsätzen. Die Entwicklung erfolgt dabei in Anlehnung an die sieben militärischen Fähigkeitsbereiche Vorbereitung (Prepare), Projektion (Project), Wirkung im Einsatz (Engage), Unterstützung und Durchhalten (Sustain), Führung (Consult, Command & Control, C-3), Truppenschutz (Protect), Nachrichtengewinnung und Aufklärung (Inform).

Mit seiner einzigartigen Infrastruktur bietet das Zentrum am Berg eine Vielzahl an Möglichkeiten für Forschungsarbeiten im Bereich des Katastrophenmanagements in Untertageanlagen. Es dient Forschenden, Studierenden, Einsatzorganisationen, der Industrie, Betreiber_innen und Nutzer_innen der Straßen- und Schieneninfrastruktur als internationaler Knotenpunkt für entsprechenden Wissensaustausch und -transfer.