Projekt Beschreibung

Marianne Durig im Gespräch mit Willi Reismann

Marianne Durig
Marianne Durig

Am besten kann man die Themenstellung an einem Projekt darstellen, konkret am neuen Landesdienstleitungszentrum in Salzburg. Das ist ein großes Projekt, ein Verwaltungszentrum für 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landes Salzburg mit Baukosten von ca. 150 MEUR.

Zwei markante Anforderungen an zeitgemäße und zukunftsweisende Architektur werden an diesem Projekt deutlich:

  1. Der Bauherr fordert Innovation und Nachhaltigkeit ganz klar in der Ausschreibung und die Wettbewerbsteilnehmer/innen greifen das aktiv auf und bringen ihre Ideen ein, bis hin zur Bereitschaft der mit der Umsetzung Betrauten, an die Grenzen zu gehen und am Projekt zu forschen und weiterzuentwickeln.
  1. Die Lösungen liegen nicht in Extremen, also weder im reinen Lehmbau noch in der reinen Hochtechnologie, sondern in einer höchst intelligenten Kombination aller heute zur Verfügung stehenden Mittel, innovativ und nachhaltig zu planen, zu bauen und zu betreiben. Mit Extremen lassen sich die zunehmend komplexen Anforderungen an Gebäude oft nicht erfüllen.

Bei diesem Projekt sollen folgende „Mittel“ zum Einsatz kommen. Die Planung ist voll angelaufen, Grenzen werden ausgelotet, hinausgeschoben oder fordern ihren Respekt.

Die städtebauliche Lösung für das zentrale Grundstück in der Nähe des Salzburger Hauptbahnhofes ist entscheidend für Funktion und Gestaltung. Die Kubaturen und Anforderungen aus der Nutzung waren sehr lange zu „kneten“, bis sich die beste Form als Lösung ergab, die den Wettbewerb für sich entschied.

Funktion und Gestaltung, die Wirkung nach außen, geben am Ende wohl den letzten Ausschlag bei der Beurteilung, wenn alles andere stimmt.

3D Modellierung und Simulation sowie durchgängige BIM Planung müssen „alle Stückln spielen“ um den Anforderungen unserer Zeit zu entsprechen.

Wenn der Bauherr in der Ausschreibung löblicher Weise fordert, dass die Klimaziele 2050 einzuhalten sind und dass höchster Standard bei einer klima.aktiv Zertifizierung zu erreichen sind,  ist die Planung gefordert. Ein perfekt zusammenwirkendes Team in allen Sparten bis hin zu Bauphysik und TGA ist unabdingbar.

Dass dabei eine verbindliche Baukostenobergrenze einzuhalten ist, erfordert oft ein Abwägen, einen Spagat. Dass Betriebskosten und Lebenszykluskosten zu planen (und einzuhalten) sind, ist selbstverständlich, wenn auch mit all den komplexen Fragen behaftet, für die es noch nicht immer Antworten gibt.

Oft sind die Anforderungen widersprüchlich. Für die Bauteilaktivierung braucht man große, feste Massen, für die schnelle Fertigung und Montage sowie die Kreislaufwirtschaft eignet sich der Holzbau am besten. So gelangt man zu einem Holz-Hybridbau als Lösung.

Viel Photovoltaik ist einzusetzen, an den Fassaden, am Dach. Hier wird an die Grenzen der heute verfügbaren Referenzen gegangen. Erdsonden versorgen mit Energie, der Energieverbrauch wird minimiert. Mikroklimaanalysen zum Verhalten der Mitarbeiter/innen fließen in die Planung ein.

Das Gebäude soll „smart“ betrieben werden. Der künftige Betrieb wird vielfach simuliert. Die Anforderungen des FM werden in die Planung integriert. Die BIM-Elemente werden mit FM-Attributen belegt. Geringe Betriebskosten, einfache Wartung und Instandhaltung werden laufend thematisiert.

Solar Tracking an der Fassade und personenabhängige Lichtsteuerung sind typische technologische Elemente einer nachhaltigen Planung. Lüftung, Kühlung, Bauphysik bestimmen Komfort und Energiebedarf, durchaus auch wieder widersprüchlich zu manchem Grundsatz der Nachhaltigkeit.

In der Ausschreibung wird gefordert, eine Bauökologin eng einzubinden. Sie kümmert sich auch um die Aspekte der Kreislaufwirtschaft.

Viele Grünanlagen und Dachgärten tragen zur Öko-Bilanz des Projektes bei, ebenso wie die Mobilitätslösungen an diesem zentralen ÖV-Standort mitten in der Stadt, an dem 17 bisher verstreute Dienststellen zusammengezogen werden.

Das Schönste an diesem Projekt aus Sicht der Architektin?

Das wir im Team so gefordert sind und so viel lernen müssen. Das macht uns fit für eine erfolgreiche Zukunft.

Die hohe Latte des Bauherrn als Erfolgsfaktor für ein Architekturbüro.