Projekt Beschreibung

Menschen und ihre Leistungen- Impulse für unsere Zukunft:

Im Gespräch mit Edeltraud Hanappi-Egger zum Jahresthema „Technik und Gesellschaft“

Edeltraud Hanappi-Egger
Edeltraud Hanappi-EggerRektorin der WU Wien

(c) Klaus Vyhnalek

Die Pandemie ist ein guter Anlass, über das Thema „Technik und Gesellschaft“ zu resümieren. Sie macht vieles sichtbar,was in weniger dramatischen Zeiten nicht so rasch und so deutlich zu Tage getreten wäre. So haben wir gelernt, wie relevant Forschung und Innovation für unsere Zukunft und die Lösung großer Herausforderungen sind, z.B. bei der Herstellung des Impfstoffs. Wir mussten lernen, dringend und unerwartet entstandenen Bedarf radikal und schnell zu lösen. Wir mussten in Ausnahmezuständen unter Druck arbeiten und gemeinsam, oft in neuen Formen der Zusammenarbeit, Lösungen finden.

Es scheint ja so zu sein: Je schwieriger die Ausgangssituation ist, desto massiver werden kreative Kräfte in den Menschen freigesetzt. Das ist durchaus eine ermutigende Erkenntnis für die Zukunft und hat die Menschen immer schon ausgezeichnet. In der Medizin, in der Digitalisierung und in vielen anderen Lebensbereichen musste nach dem Auftreten der Pandemie Neuland betreten werden. Wir haben grosse Sprünge in der Entwicklung und deutliche Schübe an Erfahrungen gemacht. Ohne Corona wäre vieles so nicht geschehen.

Nach solchen extremen Phasen braucht es aber nun Zeit und Musse zur Reflexion, um diese Erfahrungen auch entsprechend verarbeiten zu können, v.a. mit Blick auf das, was erhalten werden soll. Wir müssen evaluieren, welche Entwicklungen und Erfahrungen nachhaltig wirken sollen. Was sollen wir für die Zukunft übernehmen, was soll in welcher Form dauerhaft bleiben und was verwerfen wir besser wieder, weil es langfristig negative Effekte hat. Unser gesamtes Potenzial muss im Sinne der Nachhaltigkeit beleuchtet und genutzt werden. Das braucht viel systemübergreifende Analyse und Erforschung.
Rasch und spontan umgesetzte Lebens- und Arbeitsformen sind zu überdenken. Neue digitale Formate, wie z.B. mobiles Arbeiten haben natürlich nicht nur technologische Aspekte, sondern vor allem auch soziale und gesellschaftliche, die wir mit der Technik zusammendenken müssen. Gerade das sind die ursächlichen
Fragestellungen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Wie wird oder soll sich unsere Arbeit in Zukunft entwickeln?
Die WU hat dazu bereits seit längeren einen Schwerpunkt „Digital Economy“ aufgesetzt. National und international wurden Professuren ausgeschrieben und berufen, ein Masterprogramm wird am 1.10.2021 starten. Dabei wird der Frage nachgegangen, was die Digitalisierung der Arbeitswelt für den Arbeitsmarkt, für das Management, für die Unternehmensführung aber auch aus ethischer Sicht bedeutet. In Zusammenhang mit Digitalisierung wird allerdings oft ein wichtiges Thema ausgeblendet, nämlich die zunehmende technologische Abhängigkeit durch eine immer weitere Technisierung unseres Lebens. Damit werden Institutionen aber auch verletz- und angreifbar. So waren z.B. mehrere Universitäten Opfer von Cyber- Attacken, hatten Hackerangriffe abzuwehren, einige Universitäten wurden komplett lahmgelegt. Die IT-Sicherheit wird daher ein wesentliches Kriterium für unsere Lebensfähigkeit und Überlebensfähigkeit sein. Die mit Digitalisierung zusammenhängende Fragestellungen von Abhängigkeit und Angreifbarkeit sind sehr komplex und umfassend. Die vielen, oft auch widersprüchlichen Aspekte dieser Themen sind noch nicht in der erforderlichen Breite, Tiefe und Vernetzung auf der gesellschaftlichen Agenda.

Allzu oft werden lediglich einzelne Aspekte im Anlassfall abgehandelt. Manche dieser Herausforderungen mit Blick auf technologische Abhängigkeiten stellen einige grundlegende Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit in Frage. Ihre nationale und oft zwingend internationale Abhandlung wird
die Politik der kommenden Jahrzehnte herausfordern. Dabei geht es auch um die Frage, wie wir das, was wir zum täglichen Leben in Wohlstand und Sicherheit brauchen, auch im Notfall zur Verfügung haben? Die Pandemie hat einmal mehr gezeigt, dass es höchst an der Zeit ist, darüber nachzudenken, wie globale Herausforderungen gemeinsam gelöst werden können. Nationale, internationale und interdisziplinäre Kooperationen wie in der Wissenschaft und Forschung üblich, sind ein wichtiger Grundstein für nachhaltige Lösungen.