Nachhaltiges Verhalten durch Nudging

Susanne Schmehl (Urban Human), Kathrin Masuch & Elisabeth Oberzaucher (Urban Human, Universität Wien)

Vollständiger Artikel als PDF

Die Herausforderungen der Klimakrise erfordern umfassende Änderungen sowohl auf der systemischen Ebene als auch im individuellen Verhalten. Um diese Verhaltensänderungen herbeizuführen, ist eine Kombination vielfältiger Maßnahmen vonnöten. Da viele unserer Alltagshandlungen aus Gewohnheit und wenig reflektiert passieren, stoßen hier die klassischen Kommunikationsmethoden an ihre Grenzen.

Auch für die bewusste Entscheidung für die nachhaltigere Verhaltensalternative ist eine grundsätzliche Anerkennung des Problems und die Bereitschaft, selbst einen Beitrag zu leisten, notwendig, um Menschen überhaupt erreichen zu können. Deshalb ist es erforderlich, Aufklärungs- und Motivationskampagnen durch ergänzende Methoden zu unterstützen.

Eine Strategie, die unabhängig von der Grundeinstellung zu einer Fragestellung bereits in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielt hat, ist das Nudging. Vom Nobelpreisträger und Verhaltensökonomen Richard Thaler geprägt, steht dieser Begriff für Maßnahmen, die bestimmtes (erwünschtes) Verhalten erleichtern, oder angenehmer als die nicht erwünschte Alternative machen. Wie durch Nudging nachhaltiges Verhalten gefördert werden kann, zeigt eine minimale Veränderung, die durch die Kommune Amsterdam vorgenommen wurde: Anstelle wie bisher üblich standardmäßig, wird hier Werbematerial nur noch dann zugestellt, wenn ein entsprechender Aufkleber auf dem Briefkasten explizit darauf hinweist. Fast überall wird das umgekehrt gehandhabt. Indem Amsterdam eine minimale Hürde vor das nicht nachhaltige Verhalten gestellt hat, wurde das Papiermüllaufkommen um 6000 Tonnen jährlich reduziert.
Aufhängerbild
©Elisabeth Oberzaucher
Da wir uns in Alltagsentscheidungen großteils auf evolutionär entstandene Denk- und Handlungsmuster verlassen, bieten diese gut geeignete Angriffspunkte für Nudging-Maßnahmen. Wenn wir besser verstehen wie Menschen ticken, können Interventionen optimiert werden, um es allen leichter zu machen, das Richtige zu tun.