Die Rolle von Green Startups für die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft

Karl-Heinz Leitner, Doris Schartinger & Georg Zahradnik (Austrian Institute of Technology)

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Mit ihren neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen tragen Green Start-ups wesentlich zur technologischen Erneuerung und zu einer grünen Transformation der Wirtschaft bei. Mit dem aktuellen Austrian Startup Monitor 2020 wurden erstmals systematisch die Bedeutung und die Rolle von Green Startups in Österreich untersucht.

Die große Bedeutung von Startups für strukturellen Wandel, Wachstum und Beschäftigung wird international, aber auch in Österreich, zunehmend wahrgenommen. Startups gelten dabei häufig als Vorreiter des technologischen Wandels und dienen für andere Unternehmen als Rollenmodell, wie Problemstellungen gänzlich neu gelöst werden können. Die Kooperation mit unterschiedlichsten Partnern ermöglicht dabei häufig einen Wissenstransfer (siehe Abbildung). Der Innovationsgehalt in den Bereichen Technologie, Produkt, Dienstleistung oder Geschäftsmodell und das Wachstumspotential werden als wesentliche Charakteristika von Startups betrachtet. Gleichzeitig sind sie mit einem höheren Risiko des Scheiterns verbunden und benötigen daher typischerweise Risikokapital, um sich zu finanzieren.

Green Startups und Kooperationen © Austrian Startup Monitor 2020

 

Startups verfolgen unterschiedliche Unternehmensziele und fokussieren nicht nur auf kommerzielle Ziele bzw. Unternehmenswachstum, häufig adressieren sie auch gesellschaftliche Herausforderungen. Startups, die einen Beitrag zur Erreichung von nachhaltigen Zielen leisten, können dabei als Green Startups bezeichnet werden. Green Startups entwickeln in vielen Bereichen gänzlich neue Lösungen, die von der Energieeffizienz und Nutzbarmachung erneuerbarer Energien über neue Konzepte für ökologisches Bauen, oder das Anbieten nachhaltiger Mobilitätsdienstleistungen bis hin zur Abfederung von Klimafolgeschäden reichen. Damit sind Green Startups ein Motor für eine grüne Transformation der Wirtschaft und leisten einen Beitrag für die Erreichung von umwelt-, energie-, und klimapolitischen Zielen. Bislang gab es in Österreich wenige Befunde über die Anzahl und Entwicklung von Startups, im Speziellen von Green Startups. Im Rahmen des Austrian Startup Monitors 2020 wurde erstmals systematisch untersucht, in welchem Umfang Startups bewusst Innovationen für die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft entwickeln [1]. Die Basis bildet die im Herbst 2020 durchgeführte Befragung mit mehr als 460 teilnehmenden österreichischen Startups.

Startups werden im Allgemeinen als Unternehmensgründungen definiert, die nicht älter als 10 Jahre sind, mit ihren Produkten, Dienstleistungen, Technologien oder Geschäftsmodellen hoch innovativ sind und wachsen wollen. Zusätzlich zu diesen Eigenschaften zeichnet Green Startups im Besonderen aus, dass die Erreichung von ökologischen Zielen ein wichtiges oder sogar übergeordnetes Unternehmensziel darstellt. Startups, für die ökologische Ziele das vorrangige Unternehmensziel darstellt, werden als Green Impact Startups bezeichnet. Derartige Unternehmen werden von Gründer_innen mit der Leidenschaft und häufig sogar der Vision gegründet, einen wesentlichen Beitrag zu Erreichung von Nachhaltigkeitszielen zu leisten. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung zeigen, dass 27% der Unternehmen als Green Impact Startups klassifiziert werden können. Startups, für die ökologische Ziele wichtig sind, aber kein übergeordnetes Unternehmensziel darstellen, werden als Green Business Startups definiert.

Diese Startups versuchen vor allem das große Wachstumspotential von grünen Technologien auszuschöpfen. 36% aller österreichischen Startups können als Green Business Start-ups klassifiziert werden, sie setzen damit auf grüne Themen, die sowohl aus ökologischer Sicht höchst relevant sind, zugleich aber auch großes ökonomisches Potential versprechen. Insgesamt können damit 63% aller im ASM befragten Startups zur breit gefassten Gruppe der Green Startups gezählt werden; also zu solchen, die ihr Unternehmensziel auf einem positiven Beitrag zur Umwelt aufbauen. Wie andere Unternehmen wollen Green Startups dabei wachsen und sich internationalisieren.

Im Rahmen der Startup-Befragung wurde auch untersucht, mit welchen „grünen Themen“ sich Startups befassen. Dabei zeigt sich, dass das Thema „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ die größte Bedeutung hat, welches von mehr als 90% der Green Startups adressiert wird. Dazu zählen etwa die Reduktion des Ressourcenverbrauchs, der Einsatz nachhal tiger Materialien in der Produktion, die Erhöhung der Lebensdauer und Recyclebarkeit von Produkten, jedoch auch eine Vielzahl anderer Aktivitäten, die das eigene Handeln sowie das der Kund_innen nach weniger umweltschädlich machen. „Erneuerbare Energien und Klimaschutz“ stellen insgesamt das zweitwichtigste Thema dar. Die Entwicklung von Technologien für die Nutzbarmachung von Wind, Sonne und Wasser steht hier ebenso am Programm wie die Entwicklung von Lösungen zur Abfederung der Auswirkungen des Klimawandels.

Ein weiteres Drittel der Startups widmet sich gezielt dem Thema „Nachhaltige Städte und Gemeinden“. Die grüne Startup-Community wächst auch in Österreich und es zeigt sich, dass diese sehr breit aufgestellt ist und viele Bereiche erfasst hat. Österreich hat traditionell Stärken im Bereich der Umwelttechnologien. Vor diesem Hintergrund existiert ein besonderes Potential für die Entstehung und Entwicklung von Green Startups. Um international eine Vorreiterrolle einnehmen zu können, bedarf es Anstrengungen und Maßnahmen, die die Vernetzung zwischen den Akteuren, spezifische öffentliche Förderungen sowie Anreize für private Investments durch Risikokapitalgeber_innen betreffen.

[1] Leitner, K-H., Zahradnik, G, Schartinger, D., Dömötör, R., Raunig, M., Einsiedler, J. (2021): Austrian Startup Monitor 2020, Home- TownMedia, Februar 2021, Wien.