Kleines Netz, große Wirkung

Kleines Netz, große Wirkung

Monika Pauli

Nach dem Neubau der Unternehmenszentrale vor neun Jahren errichtet Siemens mit einem Microgrid am Standort in Wien ein weiteres Leuchtturmprojekt – diesmal geht es um ein umfassendes, intelligentes System zur Optimierung des Energie- und Wärmebezugsmanagements.

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Die Siemens City in Wien: Hier wird momentan ein einzigartiges Microgrid-Projekt errichtet.

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Ein Teil der insgesamt 1600 m2 umfassenden Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 312 kW.

Microgrid Controller im Zentrum

Die Rede ist vom Siemens Campus Microgrid, dort wurden die ersten Komponenten installiert, die seit Sommer 2020 ein intelligentes System zur Optimierung des Energie- und Wärmebezugsmanagements des Unternehmensareals bilden. „Die Bestandteile des Microgrid werden von einem intelligenten Microgrid Controller angesteuert, der die zentrale Orchestrierung der angebundenen Assets übernimmt und die Elektrizitätsversorgung in Hinblick auf Lastspitzen bzw. Netzauslastung sowie weitere Einflussparameter in Abhängigkeit der Eigenerzeugung optimiert“, so Werner Brandauer, Digital Grid, Siemens Smart Infrastructure. Zusätzlich wird das Siemens-Gebäudemanagementsystem Desigo in das Microgrid eingebunden, sodass zum Beispiel bei Lastspitzen die Wärmebereitstellung im Hauptgebäude angepasst werden kann, um den Leistungsbezug des Objekts zu optimieren.

Die gewonnenen Messdaten werden in der Siemens-IoT-Plattform gesammelt und bieten einen wertvollen Pool, um das Verbrauchsmanagement unter Anwendung von Data-Analytics-Lösungen zu optimieren. Das Projekt ist in Verbindung mit der Infrastruktur eines bestehenden Industriebetriebs in der Kombination PV, Batteriespeicher, Microgrid Controller, Laststeuerung und optimierte Ladelösungen für Elektromobilität einzigartig und bietet zahlreiche Möglichkeiten für innovative Forschung.

Doch woher kommt eigentlich die Motivation, eigene Netzbereiche optimiert zu betreiben, und welche Vorteile können daraus entstehen? „Der zukünftig noch weiter steigende Bedarf an elektrischer Energie – hauptsächlich getrieben durch die Sektorkopplung, einerseits mit Elektromobilität, andererseits im Bereich der Wärmeversorgung –, die zunehmende Dezentralisierung der Energieerzeugung sowie das dargebotsabhängige fluktuierende Angebot führen zu immer größer werdenden Herausforderungen bei der sicheren und zuverlässigen Bereitstellung elektrischer Energie“, erläutert Gerd Pollhammer, Leiter Siemens Smart Infrastructure Österreich und CEE.

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Ein großer Teil der Ladestellen im Microgrid wird gemessen und gesteuert. Das generiert u.a. Daten zum Ladeverhalten der Fahrzeuge.

Das Siemens-Campus-Microgrid-Projekt in Wien hat die Perspektive, Flexibilität über Aggregatoren am Strommarkt anzubieten. Schon früher im Projektverlauf anvisiert wird, zu zeigen, wie mit einem Stromspeicher Lastspitzen beim Bezug elektrischer Energie aus dem Versorgungsnetz innerhalb eines Campus durch die Bereitstellung und Verwendung hochaufgelöster Messwerte reduziert werden können.

 

Zukunftsweisendes Lademanagement

Mit steigender Durchdringung der Elektromobilität werden diese Themen in Zukunft für Industrieunternehmen mit Mitarbeiterparkplätzen, Parkgaragen, Park-and-Ride-Anlagen oder etwa auch Einkaufszentren und große Wohnanlagen immer mehr von Interesse sein.

Neben den bereits erwähnten Besonderheiten des Projekts ist auch die geplante Pilotinstallation für die Kommunikation zwischen den Microgrid Assets zu nennen. Diese wird über ein Pre5G-Campus-Netzwerk erfolgen, das heißt, dass für die Microgrid-Kommunikation ein dedizierter Frequenzbereich zur Verfügung steht. Damit können die Informationen zwischen den Controllern und den Messstellen bzw. Ladepunkten sicher und mit garantierter Datenrate sowie niedriger Verzögerung ausgetauscht werden.

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