Gerhard Piringer- Physiker und Umwelttechniker

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Menschen und ihre Leistungen- Impulse für unsere Zukunft (6)

Menschen…wie bist du zu der Methode der Ökobilanzierung gekommen? Was motiviert dich an deiner Arbeit?

Durch ein Forschungsprojekt direkt nach meinem Studium ist mir zum ersten Mal klar geworden, dass man oft weit zurück in die Herstellungs- und Entsorgungsprozesse hineinschauen muss, um alle wichtigen Umweltauswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung im Blick zu haben. Aber „im Blick haben“ ist zu wenig – wir müssen auch quantitativ, mit Zahlen, arbeiten. Ein Beispiel: in der Diskussion über Elektromobilität wird manchmal argumentiert, dass zwar ein e-Mobil weniger Treibhausgasemissionen während des Betriebs verursacht, aber dafür zusätzlich eine große Batterie nötig ist, was dann in der Herstellung zusätzliche Treibhausgasemissionen verursacht. Da stellt sich dann die Frage, ob die Elektromobilität dadurch ihren Umweltvorteil verliert. Mit einer Ökobilanz lassen sich solche systemweiten Effekte gegeneinander aufrechnen und die Antwort fällt in Österreich klar zugunsten der Elektromobilität aus.

Was mir an dieser Methode so gefällt ist, dass sie konkrete Antworten und Hinweise auf umweltfreundlicheres Handeln liefert. Als Physiker und Umwelttechniker finde ich diesen quantitativen Zugang zu Umweltproblemen persönlich sehr stimulierend, und das versuche ich auch den Studierenden in der akademischen Lehre zu vermitteln.

…und Ihre Leistungen.

Im Rahmen der Ökobilanzierung liegen meine Forschungsinteressen derzeit auf Energiesystemen verschiedener Größe. Publikationen zu den verschiedensten Energieaspekten reichen von einer Ökobilanz des burgenländischen Energiesystems über die Bewertung einer innovativen Fernwärmenutzungstechnologie, bis hin zur zeitaufgelösten Ökobilanz von Wärmepumpen.

Die Berücksichtigung von Unsicherheiten in der Ökobilanzierung ist ein weiteres Thema, das mich beschäftigt. In den Jahren meiner Arbeit mit Ökobilanzen habe ich gelernt, dass man die zu bewertenden Technologien und Systeme sehr gut kennen muss – am besten arbeitet man dabei mit Fachleuten zusammen. Schließlich finde ich es auch wesentlich, die „blinden Flecken“ der Ökobilanz zu respektieren. Wir können momentan manche Umweltauswirkungen – beispielsweise Lärm oder lokale Auswirkungen auf die Biodiversität – schlecht abbilden.

Impulse für unsere Zukunft.

Gerade beim Klimawandel ist inzwischen klar, dass sich das Zeitfenster für wirksames Handeln sehr rasch schließt, drastische Gegenmaßnahmen also jetzt nötig sind. Ökobilanzen – fundiert durchgeführt – können viel beitragen, um dabei Handlungsalternativen auf ihre Klimaeffizienz zu prüfen. Die Politik sollte sich deshalb vermehrt auf Ökobilanzierung als Entscheidungshilfe stützen. Gerade weil qualitativ hochwertige Ökobilanzen nötig sind, sollte die Ausbildung an technisch-wirtschaftlichen und höheren Lehrinstitutionen verstärkt werden. Auch in einzelnen österreichischen Vorreiterbetrieben (z.B. Magna Austria) existieren bereits interne Ökobilanzgruppen, die wichtige Beiträge aus der betrieblichen Praxis liefern können. Ich sehe jedenfalls die Ökobilanzierung als eine Schlüsselkompetenz von wachsender Bedeutung, die solide ausgebildeten AbsolventInnen in Zukunft am Arbeitsmarkt verstärkt Vorteile bringen wird.

Weitere Informationen unter:

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DI Gerhard Piringer, PhD – Hochschullehrer

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