Bauen mit Regenerativen
Die Tagungsreihe für zirkuläres Planen und Bauen.
Wir sagen Danke!
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Am 7. Oktober füllte die zweite Ausgabe von „Bauen mit Regenerativen“ den ÖIAV-Festsaal – mit einem klaren Fokus: Regenerative Materialien im Stoffkreislauf, jenseits reiner „Netto-Null“-Ziele, hin zur Bauwende durch Zirkularität. Die Keynote von Jörg Finkbeiner rahmte das ein: Suffizienz, Effizienz, Konsistenz – und Gebäude als Materialbanken statt Abriss und Thermik.
Den Auftakt machte Martin Weigl-Kuska (Holzforschung Austria) mit einem präzisen Blick auf Altholz: von Re-Use-Kriterien und Festigkeitssortierung bis zu Remanufacture – etwa CLT/BSH aus Altholzlamellen, die die relevanten Kennwerte erreichen. Der Befund: Qualitätssicherung entscheidet, ob aus Reststoff wieder Tragwerk wird.
Peter Kneidinger (materialnomaden) zeigte, dass die Wiederverwendung von Leimbindern nicht nur ökologisch, sondern auch betriebswirtschaftlich trägt: Wegfall von Entsorgungskosten, Versorgungssicherheit – und Kostenvorteile gegenüber Neuware, sofern Audits, Rezertifizierung und eine mutige Auftraggeberschaft zusammenspielen.
Leonhard Seidl (BFH) ordnete das Schweizer Altholzaufkommen: rund 70 % Schnittholz, 30 % Platten – theoretisch gute Voraussetzungen für eine erneute stoffliche Nutzung. Praktisch bremsen Störstoffe, Logistik und Verbunde; zugleich entstehen technologische Ansätze wie das schonende Lösen von Verbindungsmitteln und Fallstudien zum selektiven Rückbau.
Martin Aichholzer (MAGK) schlug die Brücke zur Systemebene: Kreislaufwirtschaft als Gestaltungsaufgabe – langlebige, reparierbare Produkte, biogene Ressourcen und Urban Mining; Lebenszyklusrechnungen bleiben dabei der Reality-Check für Planungsentscheidungen.
Aus Bauträgersicht zeigte Mathias Jordan (EGW) konkrete Pfade: Bestandsstrategie statt Symbolbau, Siedlungsumbau („ZUSIE“), Pilotprojekte vom Holz-Stroh-Lehm-Bau bis zum Re-Use – immer mit Blick auf Bewohner:innen, Machbarkeit und Rahmenbedingungen.
Ute Muñoz-Czerny (IBO) rückte Lehm in den Mittelpunkt: geobasierte Ressource, kreislauffähig und innenraumwirksam – und ein „Missing Link“ zwischen Aushub und Bauteil, an dem Forschung und Normung (ÖNORM-Reihe zu Lehmprodukten) derzeit arbeiten.
Peter Mayer (BFW) ergänzte die Waldperspektive: klimafitte Bewirtschaftung, Biodiversität und der größte Hebel im Sektor – Substitution energieintensiver Materialien durch Holzprodukte, ohne die Senkenwirkung und Resilienz aus dem Blick zu verlieren.
Politik und Programme kamen mit Georg Rappold (BML) und Hannes Warmuth (BMK/Innovation, Mobilität und Infrastruktur) auf die Bühne: Holzinitiative, Waldfonds/CO₂-Bonus, Holzfachberatungsnetzwerk, Think.Wood-Forschung – sowie neue Leitprojekte für zirkulären Hoch- und Tiefbau und Innovationsschienen von FFG bis aws.
Fazit des Tages: Zirkularität wird dort real, wo Qualität, Verfahren und Governance zusammenfinden – vom Bauteil-Audit bis zur Norm, vom Rückbau bis zur Bewohnerperspektive. Die Werkzeuge liegen am Tisch; jetzt zählt ihre Anwendung im Projektalltag. Wer anfängt, verschiebt den Standard.

















































































