Rotary Zukunfts.Forum 2026: Utopien wurden zu Gesprächsräumen

22.05.2026

Wie kann eine bessere Zukunft konkret werden? Beim Zukunfts.Forum 2026 standen nicht fertige Antworten im Mittelpunkt, sondern gemeinsame Bilder, Fragen und nächste Schritte.

Ausgangspunkt des Abends waren die sechs Manifeste des GenerationenDialogs: zu nachhaltigem Wirtschaften, demokratischer Gesellschaft, Lebensraum, Bildung, Arbeit und Gesundheit. Sie verstehen Utopien nicht als ferne Entwürfe, sondern als Orientierung für gegenwärtiges Handeln. Genau daran knüpfte das Zukunfts.Forum an: Die Manifeste wurden vorgestellt, in kurzen Impulsen geöffnet und anschließend an sechs Themenstationen weitergedacht.

Begrüßt wurde der Abend von Ralf Peters, Governor 2025/26 des Rotary Distrikt 1910, Erika Krenn-Neuwirth, Governorin 2024/25 des Rotary Distrikt 1910, Gerald Goger, Vorstandsvorsitzender des ÖIAV, sowie Willi Reismann, Initiator „Welt von Morgen“ und GenerationenDialog. Durch den Abend führte Carola Sakotnik.

Das Format war bewusst dialogisch angelegt. Im Open-Space-Prinzip wechselten die Teilnehmenden zwischen den Stationen, blieben dort, wo sie etwas lernen oder beitragen konnten, und brachten eigene Erfahrungen, Zweifel und Ideen ein. Leitfragen waren: Was begeistert mich an der Utopie? Was macht mich nachdenklich? Was will ich bewegen?

Sechs Themen, viele gemeinsame Linien

In den Gesprächen zeigte sich ein wiederkehrendes Motiv: Zukunft braucht nicht nur neue Technologien oder bessere Konzepte, sondern vor allem Menschen, die Verantwortung übernehmen können und wollen. Auf den Plakaten tauchten Begriffe wie Eigenverantwortung, Mitbestimmung, Feedbackkultur, Vertrauen, klare Rahmenbedingungen, Bildung, Gesundheit, Ressourcenbewusstsein und soziale Gerechtigkeit immer wieder auf.

Beim Thema nachhaltiges Wirtschaften, begleitet von Mario Stepanik vom GenerationenDialog und Friedhelm Boschert von POGEBIX, ging es unter anderem um die Frage, wie Lebensqualität jenseits reiner Wachstumslogik gedacht werden kann. Genannt wurden die Donut-Ökonomie, planbare Grenzen, faire Chancen, Bildung, soziale Verantwortung und die Möglichkeit, sich auch in Zukunft etwas aufbauen zu können. Nachhaltigkeit wurde dabei nicht als Verzichtsformel verstanden, sondern als Rahmen für Sicherheit, Orientierung und wirtschaftliches Handeln innerhalb planetarer Grenzen.

Am Tisch zur demokratischen und resilienten Gesellschaft, begleitet von Zita Steinbach vom Forum Zukunft und Wolfgang Pichler vom GenerationenDialog, standen Mensch, Mitbestimmung und Verantwortung im Zentrum. Die Teilnehmenden formulierten den Wunsch nach mehr Eigenverantwortung, mehr Beteiligung, klaren Rechten und Pflichten sowie nach gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Unterschiedlichkeit zulassen. Demokratie erschien hier nicht als abstraktes System, sondern als tägliche Praxis: Menschen bewegen, einander mitnehmen, die Komfortzone verlassen und Verschiedenheit als Teil des Zusammenlebens anerkennen.

Beim Thema lebenswerter Lebensraum, begleitet von Simon Kaufmann vom GenerationenDialog und ÖIAV sowie Karin Stieldorf von der TU Wien, wurden vor allem Fragen rund um Bodenverbrauch, Nutzungskonflikte, regionale Verantwortung und gemeinschaftliche Räume sichtbar. Auf den Plakaten standen Konflikte zwischen öffentlichen Interessen, Naturschutz, Feuerwehr, Infrastruktur und gesellschaftlicher Nutzung ebenso wie der Wunsch nach lebenswerten Orten, Nachbarschaft und bewussterer Gestaltung des gemeinsamen Raums.

Die Station zukunftsorientierte Bildung, begleitet von Tayyab Malik Ali und Alessandra Herdeg von Teach For Austria, machte deutlich, wie stark Bildung noch immer von Herkunft, Geld, kulturellem Umfeld und Vorbildern geprägt ist. Diskutiert wurden Mentoringprogramme, Rollenmodelle, kulturelle Bildung, Entlastung von Lehrkräften und die Frage, wie Schulen stärker auf das Leben vorbereiten können. Auch Künstliche Intelligenz war Thema: als Chance für individualisiertes Lernen und Entlastung, aber auch als Risiko, wenn kritisches Denken, digitale Kompetenz und eigenständiges Urteilen nicht ausreichend vermittelt werden.

Bei innovativer und sozialer Arbeit, begleitet von Anna Geiger von iC consulenten und Jürgen Chrobak vom GenerationenDialog, rückten Feedbackkultur, Augenhöhe und Verantwortung in den Vordergrund. Die Teilnehmenden sprachen über Ängste, Führung, den Umgang mit Fehlern und die Frage, wie Veränderung in Organisationen nachhaltig umgesetzt werden kann. Mehr Eigenverantwortung wurde dabei nicht als bloße Forderung verstanden, sondern als etwas, das Vertrauen, gute Führung und klare Rahmenbedingungen braucht.

Am Tisch zur ganzheitlichen Gesundheit, begleitet von Sophia Wohlgenannt und Alexander Porenta vom GenerationenDialog, wurde Gesundheit breiter gedacht als medizinische Versorgung. Begeistert hat viele der Gedanke einer stärkeren Prävention, einer Enttabuisierung mentaler Gesundheit und eines leichteren Zugangs zu Therapie, Vorsorge und Gesundheitsangeboten. Nachdenklich machten Fragen der Leistbarkeit, der Zugangsunterschiede zwischen Stadt und Land, die Zukunft des Gesundheitssystems und die Auswirkungen von exzessiver Handynutzung und Social Media. Als wichtig wurden Eigenverantwortung, Achtsamkeit, Bewegung, mentale Gesundheit, Telemedizin und verlässliche Daten genannt.

Utopien als Arbeitsmaterial

Ergänzt wurde der Abend durch die Immersive Manifesto Experience von Magdalena Novak, Experience Designerin und Creative Strategin. Die audiovisuelle Installation übersetzte zentrale Gedanken des GenerationenDialogs in ein räumliches Erlebnis. Zukunft wurde damit nicht nur diskutiert, sondern für einen Moment körperlich erfahrbar.

Am Ende standen keine einfachen Lösungen, aber viele präzise Ansatzpunkte: bessere Bildung, neue Formen der Beteiligung, Räume für Begegnung, mehr Prävention, verantwortungsvollere Führung und ein Wirtschaften, das Grenzen ernst nimmt. Das Zukunfts.Forum 2026 hat gezeigt: Utopien werden dann wirksam, wenn sie den Raum verlassen und in Gespräche, Entscheidungen und konkrete nächste Schritte übersetzt werden.