Neuerfindung der Moderne – ein Blick nach vorn – mit Sarah Barth
„Die entscheidende Dekade ist 2020–2030: Dort muss der weltweite Ausstieg aus der Kohleverstromung passieren, dort muss der Verbrennungsmotor verschwinden, dort muss Zement als Baumaterial ersetzt werden – das ist die komplette Neuerfindung der Moderne.“
Mit diesem Satz von Hans Joachim Schellnhuber eröffnete Sarah Barth ihren Vortrag im Festsaal des ÖIAV am 25. November und setzte damit den Rahmen für den Abend.
Ausgehend von diesem Befund zeigte sie historische Stadt- und Industrielandschaften und machte sichtbar, wie viele Lösungen des 20. Jahrhunderts heute selbst zu Belastungen geworden sind. Dazu kamen die großen Kipppunkte, der Ressourcenverbrauch und die nüchterne Feststellung, dass in Europa jede Minute ein Gebäude verschwindet.
Der Fokus lag auf den Handlungsspielräumen: weniger Flächenverbrauch, ein ernst genommener Bestand, robuste und kreislauffähige Konstruktionen. Die Übersicht der größten Hebel – vom Maßstab der Stadt bis zum Detail – bot eine klare Lesart dessen, was heute möglich und notwendig ist.
Mit dem Gundeldinger Feld führte sie ein Beispiel an, das zeigt, wie Weiterbauen im Bestand langfristig funktionieren kann: ein Ort, der nicht neu erfunden, sondern Schritt für Schritt aus vorhandenen Strukturen heraus entwickelt wurde.
Am Ende stellte sie zwei Haltungen gegenüber: Architektur als autonome Form oder als gesellschaftliche Praxis. Der Abend ließ erkennen, welche dieser Perspektiven angesichts der kommenden Jahre mehr Gewicht bekommt.
















