Ein Leben für das Wasser: Werner Kresser im Porträt
Vom Donaupegel bis zur Klimafrage: Warum das Denken von Werner Kresser heute aktueller ist denn je.
Lesedauer: 5 Minuten
Text: ÖIAV Redaktion
„Die Verschmutzung der Gewässer ist kein neues Phänomen – doch durch den Egoismus und die Kurzsichtigkeit der Menschen ist sie zu einem nahezu unlösbaren Problem und zu einer Geißel unserer Zeit geworden.“
Mit solch deutlichen Worten warnte Werner Kresser bereits in den 1960er-Jahren vor den Folgen der Wasserverschmutzung
Der Hydrologe Werner Kresser (1919–2008) prägte über Jahrzehnte die österreichische Wasserwirtschaft – als Forscher, Ingenieur und Lehrer. Vom Aufbau einer modernen Hydrographie bis zur Planung von Hochwasserschutzprojekten wie der „Neuen Donau“ in Wien reichen die Verdienste des gebürtigen Vorarlbergers. Kresser war außerdem ein akademischer Pionier: Als Professor und sogar Rektor der TU Wien sorgte er dafür, dass das Lebenselixier Wasser auch in Forschung und Lehre einen festen Platz erhielt.
Vom Bodensee an die Donau
Werner Kresser wurde am 20. Juli 1919 in Dornbirn (Vorarlberg) geboren. Nach der Matura an der Realschule seiner Heimatstadt zog es ihn an die Technische Hochschule Wien, wo er Bauingenieurwesen inskribierte. Sein Studium wurde zwar durch den Zweiten Weltkrieg kurz unterbrochen – Kresser leistete einen kurzen Militärdienst –, doch 1942 konnte er das Diplomstudium mit Auszeichnung abschließen. Unmittelbar nach Kriegsende widmete er sich der wissenschaftlichen Vertiefung: Als Assistent seines geschätzten Mentors Prof. Josef Kozeny promovierte Kresser 1946 mit einer Dissertation über Strömungsgeschwindigkeiten in offenen Gerinnen.
Bereits wenige Jahre später übernahm der junge Ingenieur eine verantwortungsvolle Aufgabe im Staatsdienst. Kresser trat in das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft ein und wurde dort zum Leiter des Hydrographischen Zentralbüros ernannt – der zentralen Dienststelle, die Pegelstände, Flussdaten und Wasserhaushalt Österreichs erhebt. Parallel zur Tätigkeit im Ministerium begann er 1950 auch als Lehrbeauftragter an der Universität für Bodenkultur Wien sein Wissen weiterzugeben. 1956 folgte die Habilitation mit einer Arbeit über langfristige Wasserwirtschafts-Prognosen, und 1957 veröffentlichte Kresser das Fachbuch „Die Hochwässer der Donau“, das die Geschichte und Ursachen der Donauhochwasser umfassend dokumentierte.
Im Dienst des Wassers
Die 1960er-Jahre markierten einen Höhepunkt von Kressers Schaffen. Erstmals erstellte er eine umfassende Wasserbilanz für ganz Österreich – ein Novum, das Politik und Fachwelt wertvolle Daten über Niederschläge, Abflüsse und Wasservorräte lieferte. Auch in der Praxis leistete er Pionierarbeit für den Hochwasserschutz: Seine Analysen flossen in Planungen ein, die Jahre später die Hochwassergefahr in Wien deutlich verringerten. So war Kresser mitverantwortlich für die hydraulischen Berechnungen zur „Neuen Donau“ – jenem Entlastungskanal mit Donauinsel, der heute die Bundeshauptstadt vor 100-jährigen Hochwässern schützt und zugleich ein Freizeitparadies für die Wiener bildet.
Kresser griff generell viele Zukunftsthemen der Hydrologie früh auf. Ob hydrologische Vorhersagemodelle, Geschiebetransport und Sedimentforschung oder das Grundwassermonitoring – stets gehörte er zu den Vorreitern, die die Bedeutung dieser Aspekte erkannten. Im Zentrum stand für ihm immer der sorgsame Umgang mit der Ressource Wasser. Er warnte früh vor einem gedankenlosen Verbrauch und betonte die Verantwortung, dieses „lebensnotwendige Gut“ für kommende Generationen zu bewahren.
Ein zentrales Thema seines Wirkens bildete immer wieder die Sorge um die Erhaltung des lebensnotwendigen Gutes „Wasser“.
Professor und Rektor an der TU Wien
1959 folgte Werner Kresser dem Ruf als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule (heute TU) Wien. Dort übernahm er den Lehrstuhl für Hydraulik, Gewässerkunde, landwirtschaftlichen Wasserbau und Siedlungswasserbau – ein breites Fachgebiet rund um das Wasser. Bereits sechs Jahre später wurde ihm das Rektorat der Hochschule für das Studienjahr 1965/66 anvertraut. Damit stand Kresser ausgerechnet im 150. Jubiläumsjahr der Technischen Hochschule an deren Spitze und lenkte in dieser festlichen Zeit die Geschicke der Universität. Auch danach blieb er in der akademischen Selbstverwaltung aktiv, etwa als Dekan der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur (1972/73) sowie als Prodekan (1982–1985).
Während seiner 30-jährigen Lehrtätigkeit an der TU Wien prägte Kresser Generationen von Studierenden. Er leitete bis zu seiner Emeritierung 1989 das Institut, dem er mit Innovationsgeist seinen Stempel aufdrückte. Auf Kressers Initiative entstanden neue Einrichtungen, die das Lehr- und Forschungsangebot erweiterten: 1964 wurde an der TH Wien das Institut für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz gegründet, 1969 folgte das Institut für Landschaftswasserbau und Abfallwirtschaft. Diese Institutionen trugen dazu bei, dass Umwelt- und Wassertechnik fest im Studienangebot verankert wurden. Kresser selbst war bekannt für lebendige Vorlesungen, die theoretisches Wissen und Praxis verbanden – viele seiner ehemaligen Studenten erinnern sich noch heute lebhaft an seine begeisternde Vermittlung.
Vermächtnis und Ehrungen
Werner Kresser blieb bis ins hohe Alter dem Wasser verbunden – und den Menschen, mit denen es ihn zusammenführte. So fungierte der gebürtige Vorarlberger von 1985 bis 1989 als Obmann des Vereins der Vorarlberger in Wien, dem größten Bundesländer-Kulturverein der Hauptstadt. Fachlich hinterließ er ein reiches Erbe: Kresser wurde mit höchsten Auszeichnungen geehrt, darunter zwei Ehrendoktoraten (Universität Notre Dame (USA) und TU Budapest) sowie dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Auch die Technische Universität Wien würdigte ihn 1990 mit der Johann-Joseph-von-Prechtl-Medaille für seine Verdienste.
Am 20. Juni 2008 verstarb Werner Kresser im Alter von 88 Jahren in Wien. Doch sein Name lebt in der Fachwelt weiter – und wird sogar jährlich an junge Talente weitergegeben: 2014 riefen die Österreichische Gesellschaft für Hydrologie und der ÖIAV den Werner-Kresser-Preis ins Leben. Mit diesem Preis werden seither jährlich herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich Hydrologie und Wasserwirtschaft ausgezeichnet. Damit bleibt das Andenken an den österreichischen Hydrologie-Pionier lebendig und sein Lebenswerk – der Dienst am Wasser – wirkt in die Zukunft nach.
Quellen & Hinweise
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- Nachruf Werner Kresser (1919–2008), Technische Universität Wien (Dieter Gutknecht, Juli 2008)
- Werner-Kresser-Preis, Österreichischer Ingenieur- und Architektenverein (ÖIAV)
- In memoriam Werner Kresser, Mitteilungsblatt des BMLFUW, Nr. 85/2008 (PDF)
- Werner Kresser – Das Wasser (1968), TU Wien Repositorium (PDF)
- Werner Kresser – Wikipedia (de)


